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Sergej Pawlowitsch Koroljow

In der Geschichte der einheimischen Raketen nimmt Koroljow im Bezug auf das Geleistete den ersten Platz nach Ziolkowski ein (W.P.Gluschko)

Obenstehende Aussage, gemacht von Walentin Petrowitsch Gluschko, einem der wichtigsten Entwickler von Flüssigtriebwerken der Sowjetunion, muss als sehr treffend bezeichnet werden.

Koroljow in UniformKoroljow (1907 - 1966), vom Raumfahrtfieber angesteckt durch einen Besuch bei K.E.Ziolkowski, leistete einen enormen Beitrag zum Aufstieg der UdSSR im Raumfahrtsektor. Er war es, der 1933 die erste sowjetische Flüssigrakete zündete. Er war es, der Sputnik 1 konstruierte. Er war es, der sowohl die ersten Interkontinentalraketen als auch die ersten Raumfahrtträger, die aus abgewandelten Interkontinentalraketen gebaut wurden, konstruierte. Er war es, der den sowjetischen Raumfahrtraketen einen Konstruktionsart gab, die noch heute bei Neuentwicklungen sichtbar ist, und die sich erheblich von der Technik der Amerikaner abweicht. Koroljow war es aber auch, der 1937 während der Säuberungswelle durch Josef Stalin in ein Strafgefangenenlager in Sibirien verbannt wurde. Hier seinen Werdegang zum Chefkonstrukteur der sowjetischen Raumfahrt aufzuzeichnen wäre etwas zuviel des Guten. Dazu gibt es auch Bücher, die dieses Thema abgehandelt haben.

Koroljow, der Mann, den man einfach "Chefkonstrukteur" nannte. Der russische Wernher von Braun. Lange Zeit wurde seine Identität geheimgehalten. Dies nicht nur vor dem Ausland sondern auch vor dem eigenen Volk. Dies ging soweit, dass Koroljow nicht mehr an Raketenstarts "seiner" Raketen teilnehmen durfte. Erst bei seiner Beerdigung an der Kremlmauer wurde seine Identität grossen Teilen bekannt.

Doch wer war Koroljow eigentlich? Was trieb in dazu, sich mit aller Kraft der Raumfahrt zu widmen? Warum wollte er unbedingt als erster einen künstlichen Erdtrabanten ins All schiessen?

Koroljow hatte seit seinem Besuch und seinem Gespräch mit K.E.Ziolkowski einen Traum. Er wollte das Weltall erobern. Dieser Traum war für Ihn wie ein innerer Antrieb, den Ihn immer wieder zu Höchstleistungen zwang, sowohl in guten wie auch in schlechten Zeiten.

Koroljow war ein charismatischer Führer, der eine aussergewöhnliche Hingabe und Loyalität seiner Mitarbeiter verlangte. Boris Chertok, ein Mitarbeiter Koroljows sagte über Ihn:

Er war ein wunderbarer Organisator. Es gab eine Tendenz Ihn heiligzusprechen.(Quelle 2, S. 3)

Koroljow 1945, nach der Entlassung aus den GULAGKoroljow hatte eine eigene Aura. Er vermochte sowohl einzelne Leute wie auch grosse Gruppen in seinen Bann zu ziehen und sie für seinen Traum einzuspannen. Er hatte ein donnerndes Temperament, war geneigt loszubrüllen wenn ihm etwas nicht passte, verwendete dabei auch Kraftausdrücke. Dennoch konnte er wenn es sein musste, sehr schnell vergessen und vergeben. Seine bevorzugte Leidenschaft war das Arbeiten, Das Arbeiten für die Eroberung des Weltraumes und das Arbeiten für die Verteidigung des Landes. Eigentlich erstaunlich, dass er sich so loyal für ein System einsetzte, welches ihn so grausam behandelte. Schliesslich war er sieben Jahre lang (1938 - 1945) in Gefangenenlagern.

Eine seiner ehrlichsten Charakterisierungen kam von Oleg Gasenko, einem berühmten Arzt welcher Leiter des sowjetischen Weltallmedizinprogramm war.

"Er war ein typisches Erzeugnis des sowjetischen Systems der damaligen Zeit. Er wurde eingesperrt, arbeitete aber dennoch hart für sein Land. Er und die Regierung hatten das gleiche Ziel. Einen Raketenschutzschild für das Land zu schaffen. Koroljow war sehr anpassungsfühig. Er war clever genug sich mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten zu befassen und zu arrangieren.

Koroljow war für seine Generation typisch. Er passte sich sehr gut an. Es war sehr schwierig für mich mit ihm zusammenzuarbeiten. Deshalb versuchte ich Kontakte mit ihm zu meiden. Er hatte keine Achtung vor den Leuten. Er benutzte sie. Ich will keine Namen nennen. Als Beispiel aber folgendes. Bei einem elektrischen Test einer fertigen Rakete, gab es einen Kurzschluss. Koroljow fing an, den zuständigen Personen Vorw¨rfe zu machen wobei er z.T. auch grobe Flüche benutzte.

Um eine gute Arbeit zu erledigen, konnte er Geld aus dem Safe nehmen ohne irgendwelche Staatsgenehmigung. Er konnte soviel Geld brauchen wie er wollte.

Ich kann nicht sagen ob Koroljow die einzige Person war, die ein solch erfolgreiches Programm zum laufen gebracht hat - aber er war die beste Person für die Zeit und für die Situation." (Quelle 2, S. 4-5)

Deutliche Worte, die wohl alles erklären.

Koroljow war aber auch einer, der sich nicht mit dem kleinsten zufrieden gab. So legte er seine Raketen nicht für die Minimallast aus, sondern plante immer etwas Reserve ein. Dies im Gegensatz zu den Amerikanern. Die Rakete, die Sputnik 1 ins All schoss, war die gleiche wie die Rakete die Sputnik 3 ins All schoss, obwohl dieser Satellit fast das sechzenfache Gewicht aufwies. Einziger unterschied war, dass die Rakete von Sputnik 1 nicht voll betankt wurde. So verhielt es sich auch bei den Interkontinentalraketen die er entwickelte. Alles wurde etwas grösser ausgelegt als unbedingt erforderlich. (Davon jedoch mehr im Kapitel "Woher der Erfolg")

Koroljow ein geheimnisvoller Mann. Ein Mann der für die Raumfahrt lebte. Ein Mann, der noch heute die sowjetische Raumfahrt wesentlich beeinflusst, obwohl er seit Jahren tot ist.

Koroljow eine Legende.

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