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MIR

Mir, so wie sie heute besteht, mit einem angedocktem ShuttleMir im Zustand 1987 mit Kwant1 und Sojus-KapselSaljut 6 und Saljut 7 liessen erahnen, dass in Bälde etwas noch grösseres gebaut würde. Dies war der Fall. Am 19. Februar 1986 startete die Station MIR zu ihrem Aufenthalt im All. MIR war schon von den Dimensionen her eine Grossraumstation. Das MIR-Modul besass insgesamt 6 Koppelkragen. Auch das innere war total anders konstruiert als bei der Saljutserie. War bei den Saljuts die ganze Station vollgestopft mit Geräten, war MIR weitgehend leer. Sämtliche Experimente wurden in Zusatzmodulen, die an die Station angekoppelt wurden, untergebracht. Das erste solche Modul, Kwant, ein Wissenschaftslabor, wurde im März 1987 zur Station geschickt. Es waren noch mehrere solche Module geplant, die jedoch alle den Sparmassnahmen nach der Öffnung des Ostens 1989 zum Opfer gefallen sind. Durch die Mitfinanzierung der NASA wurden nach und nach aber weitere Module zur Station hochgeschickt (Kwant2, Spektr, Kristall swie ein Koppelkragen für das Space Shuttle). Zuletzt hatte die Station eine ansehnliche Grösse.

Truemmer über den Fidschi-Inseln Ausgelegt für eine Lebensdauer von ca. 10 Jahren, ist MIR inzwischen im Rentenalter. Dementsprechend störungsanfällig ist die Station heute. Ca. ab 1995 fingen sich Fehler und Ausfälle der Station an zu häufen. Dies gipfelte in einem Brand so wie einer Kollision eines unbemannten Progress Raumtransporters mit dem Forschungsmodul Spektr, welche MIR sehr zusetzten. Sie konnte zwar immer wieder gerettet werden, doch war klar, dass MIR nicht mehr allzu lange zu leben hatte. Seit dem 28.8.1999 ist MIR eine Geisterstation. Pünktlich um 02.33Uhr MESZ schlug Sojus TM-29 mit den drei letzten MIR-Kosmonauten, den Russen Afanasjew und Awdejew sowie dem Franzosen Haigneré, in gewohnt unsanfter Manier auf dem Boden auf. Am 23.3.2001 war es, nach mehreren Verschiebungen, dann soweit. MIR wurde im stillen Ozean in der Nähe der Fidschi-Inseln versenkt. Somit ist das letzte Kapitel der sowjetischen Raunfahrt geschrieben worden.

Die letzten Worte die aus der Station gesendet wurden waren übrigens die Abschiedsworte von Kommandant Afanasjew: Wir verlassen eine aussergewöhnliche Station, während es keine neue Besatzung mehr gibt, mit Bitterkeit in der Seele. Wir verlassen ein Stücken Russland!

Interaktive 3-D Ansicht der MIR (Zur Ansicht wird das Cult3D-plugin benötigt)

Zeichnung der ISSAls Ablösung von MIR war in der UdSSR MIR 2 geplant, deren erste Bauteile zwischen 1995 und 2000 in den Orbit geschickt werden sollten. Inzwischen hat man sich jedoch auf eine Zusammenarbeit mit den Amerikanern geeinigt und wird die Station Alpha (inzwischen in ISS = International Space Station umgetauft) in den Orbit bringen. ISS hat inzwischen eine Grösse von ca. einem Fussballfeld und ist ca. 13 Stockwerke hoch. Seit anfangs November 2000 ist sie auch bemannt.

Doch aus welchen Gründen wollte die Sowjetunion überhaupt Raumstation im All?

Sicher spielten dabei militärische Gründe eine Rolle. Zwar gab es Spionagesatelliten, dennoch wollte das Militär Stationen, in denen man die Erde beobachten konnte. Verwirklicht wurde dies schliesslich in den Stationen Saljut 2, 3 und 5, die alle militärischen Zwecken dienten. Aussen sahen sie aus wie die normalen Saljuts, doch hatten sie einen anderen Innenaufbau. Wichtig war auch, dass militärische Saljuts eine tiefere Bahnhöhe aufwiesen als die wissenschaftlichen Saljuts. Zudem hatten die militärischen Versionen Kameras mit Filmen, die in einer speziellen Kapsel abgeworfen werden konnten. Dies geschah sowohl bei Saljut 3, als auch bei Saljut 5. Das militärische Interesse an den Stationen wurde 1980/81 beendet.

Aber auch von der wissenschaftlichen Seite gab es Interesse an Raumstationen. So kann in einer Station die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper während Langzeittest untersucht werden. Auch konnte man das Verhalten von Tieren und Pflanzen untersuchen. Es gab zudem zahlreiche Materialtest die in den Stationen ausgeführt wurden. Dies alles dient (e) in der Hinsicht auf einen Marsflug, der von der UdSSR etwa ab dem Jahre 2010 geplant war (jetzt mit der Finanzkrise jedoch auf unbestimmt verschoben), oder aber auch zur Entwicklung von neuen Materialien. Carbon ist beispielsweise ein Werkstoff der aus der Raumfahrt kommt.

Was hat die bemannte Raumfahrt geleistet, was nicht auch Sonden und Satelliten hätten lösen können?

Diese Frage muss eigentlich mit "nichts" beantwortet werden. Konstantin Feoktistow, ein Konstrukteur und Kosmonaut der Sowjetunion hat sich zu diesem Thema ausserst skeptisch geäussert:

"Der Mensch ist absolut ineffizient, wenn er das Raumschiff verlassen hat. Weil er mit seinem Anzug aussteigt, ist er in all seinen Bewegungen eingeschränkt. Er ist draussen kein erfolgreicher Arbeiter. Auf unseren Stationen haben die Kosmonauten viel und durchaus wirkungsvoll gearbeitet, sogar bis zu einem Jahr. In diesem Sinne verfügen wir über grosse ingenieurtechnische Ergebnisse. Wir haben dazugelernt, damit sie dort leben können, damit alles funktioniert. Wir haben aber das wichtigste nicht hinterfragt: Wozu brauchen wir dort Menschen? Was hat man dort effizient geleistet? Man hat an Bord repariert.(...) Oder man gab irgendwelche ganz einfachen Kommandos (....) der Mensch ist nur dort sinnvoll am Platz, wo er in vollem Masse seinen Intellekt benutzt. (....)" (Quelle 5, S. 142-144)

Sicher ein etwas extremer Standpunkt. Tatsache war jedoch, dass sich z.B. die Elektronik in der UdSSR nicht in dem Masse verbreitete wie im Westen. Für das Militär war es durchaus sinnvoll, einen bemannten Beobachtungsposten zu haben. Womit wir wieder bei der Frage wären wieso die UdSSR eine Station im All wollte.

Als zweiter Punkt ist sicher, dass man mit der bemannten Raumfahrt viel grössere Erfolge feiern konnte, die dann als Propaganda dienten. Die bemannte Raumfahrt war weit spektakulärer als ein noch so raffiniert ausgestatteter Satellit. Dies war sicher ein wichtiger Punkt, den sich die Sowjetunion auch etwas kosten liess, schätzt man doch die Kosten des Sojus / Saljutprogrammes (ohne MIR) auf etwa 43 Mia.$ (Stand 1985).

Weitere Bilder der MIR Raumstation