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Sputnik 1

Heute sind wir Zeugen, wie der Traum in Erfüllung geht, der einige hervorragende Menschen, unter ihnen Ziolkowski, beschäftigte. Er hatte prophezeit, dass die Menschheit nicht ewig auf der Erde bleiben wird.Der Sputnik ist die erste Bestätigung seiner Vorhersagen. Die Erschliessung des Alls hat begonnen. (S.P.Koroljow am 5.Oktober 1957)

Mit dem Nachtstart von Sputnik 1 am 5.Oktober 1957 begann nach sieben Jahrzehnten mittelbarer und direkter Vorbereitung die Raumfahrt als neue Ära der Wissenschaft, Technik, Industrie und Zivilisation.

Doch kommen wir auf die Entwicklung des ersten künstlichen Erdtrabanten zu sprechen. Im Juli 1955 wurde vom Amerikanischen Präsident Eisenhower angekündigt, dass die USA im Rahmen des Internationalen Geophysikalischen Jahr (IGJ, 1.7.1957 - 31.12.1958) einen kleinen, erdumkreisenden Satelliten ins All schicken werden. Leonid Sedow, Vorsitzender der Kommission für den Interplanetaren Flug in den UdSSR, konterte wenige Tage später mit der Erklärung, dass auch die UdSSR während des IGJ Satelliten ins All schiessen würde, und zwar wesentlich schwerere.

Somit war der Zweikampf USA - UdSSR entbrannt. In der UdSSR entstanden unter der Leitung von S.P.Koroljow sowohl die Trägerrakete (Typ A1) sowie auch die Satelliten. 1956 wurde der Bau des Satelliten bewilligt. Es war ein nicht stabilisierter Satellit mit einem Gewicht von 1 - 1.4t, wovon 200 - 300kg für Forschungsgeräte vorgesehen waren. Gegen das Jahresende wurde deutlich, dass der Satellit nicht bis in den Sommer 1957 fertig sein würde. Da Koroljow aber unbedingt der erste sein wollte, der einen Satelliten ins All schickte, wurde deshalb ein zweiter Satellit, ohne jeglichen wissenschaftlichen Zweck, konstruiert. Seine Bezeichnung PS1, vollständig "Iskusstwennji Sputnik Semlja" was soviel hiess wie "künstlicher Begleiter der Erde".

Innenansicht von Sputnik 1 Schematischer Innenaufbau von Sputnik 1 Sputnik 1 war 83.6kg schwer. Er bestand aus einer 2mm starken Aluminiumlegierung, aussen poliert, mit einem Durchmesser von 58cm. Die Kugel enthielt einen Radiosender, der alternierend 0.4s - Pulse auf den Frequenzen 20,002 und 40,005 MHz abstrahlte. Somit war es auch für Funkamateure möglich das Piep-Piep zu empfangen. Die Energie für den Sender lieferten 3 Silber-Zink Batterien welche eine Lebensdauer von ca. 3 Wochen hatten. Um die Temperatur im Innern zwischen 20° und 30° Celsius zu halten, hatte man ihn mit Stickstoff gefüllt und einen kleinen Ventilator sowie ein einfaches Regulationssystem installiert.

Im Sommer 1957 waren die Vorbereitungen der USA für den Start eines Satelliten von 16cm Durchmesser und 1,6kg Masse angelaufen. Da die USA grosszügig Informationen über das Projekt bekannt gaben, wurde auch die Sowjetunion darauf aufmerksam, dies nicht ohne Konsequenzen. Am 7. September 1957 kam es zu einem Testflug der Rakete (dem fünften insgesamt), der jedoch einige Rätsel aufgibt. Er wurde in den Unterlagen der beteiligten Techniker fast nirgends erwähnt. Der Schluss liegt dadurch nahe, dass es sich hier um einen missglückten Versuch handelte, einen Satelliten ins All zu schiessen. Schliesslich stand am 17. September 1957 der 100. Geburtstag von K.E.Ziolkowski bevor.

Der Start des Satelliten wurde danach auf den 4. Oktober festgesetzt. Am 5. Oktober 1957 um 0.28 Uhr Ortszeit hob die Rakete vom Kosmodrom Tjura Tam (heute Baikonur) ab. Begeisterung brach unter den anwesenden Personen aus, hatten sie doch den ersten künstlichen Erdsatelliten ins All geschossen.

Drei Wochen lang konnte man nun das Piep-Piep des Satelliten hören. Danach waren seine Batterien leer. Sputnik 1 blieb danach noch bis am 4. Januar 1958 im All, bevor er in der Erdatmosphäre verglühte.

Die ganze westliche Welt war damals vom Start überrascht. Die UdSSR, ein rückständiges kommunistisches Land, hatte das grosse industrialisierte Amerika geschlagen. Besonders die USA traf dieser Start hart in ihrem Stolz. Man spricht vom Sputnik-Schock (Gleiches sollte 1969 der UdSSR mit der Mondlandung der Amerikaner geschehen).

Doch worin bestand eigentlich der Sputnik-Schock?

Einerseits war für die Atommacht USA klar, dass auch die Sowjetunion eine Interkontinentalrakete besass. Die UdSSR hatte nun die Möglichkeit die USA mit Atomaren Raketen zu beschiessen. Somit war aus der einseitigen Bedrohung eine Gegenseitige geworden, die das Resultat hatte, dass bei einem atomaren Erstschlag der einen Partei eine atomaren Gegenschlag ausgeführt werden konnte. Als Folge wurde die Krise zwischen den beiden Staaten erhöht, welche schliesslich im Kalten Krieg (ca. 1965 - 1989) gipfelte.

Der Sputnik-Schock bestand aber hauptsächlich darin, dass die UdSSR eine technologische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufwies, die ihr vorher nie attestiert worden ist. Man stelle sich eine Horde Kosaken vor, die eine Rakete bauen, die die Erde verlassen kann. Ein Gedanke der für viele Menschen in der westlichen Welt utopisch war. Dies wurde durch die Frequenz, auf welcher Sputnik 1 seine Signale sendete, noch verstärkt (Zu den Funkfrequenzen muss allerdings noch folgendes gesagt werden. Die Funkverbindungen in der UdSSR wurde generell über Kurzwelle abgewickelt, da diese globale Kommunikation erlaubte. Dadurch war es aber auch externen Beobachtern möglich relativ genaue Daten der sowjetischen Raumfahrt zu empfangen). Diese konnten von Funkamateuren relativ einfach abgehört werden.

Sputnik 1, der erste künstliche ErdtrabantDer Propagandaeffekt war dadurch immens. Dieser wurde durch die Ankündigung, dass die UdSSR in Kürze ein Lebewesen ins All schiessen werden, noch verstärkt. Tatsächlich wurde, wieder zur Überraschung des Westens, bereits einen Monat nach Sputnik 1 Sputnik 2 mit der Hündin Leika ins All geschosssen. Durch die riesige Propaganda, welche die UdSSR nach den beiden Starts genoss, wurde sie neben den USA zur zweiten Supermacht erkoren.

Beispiel dafür wie die Raumfahrt zu Propagandazwecken (miss -) gebraucht wurde, zeigt folgendes. Chrustschow (damaliger Parteipräsident der KPdSU) soll im Zusammenhang mit der propagandistischen Bedeutung der Raumfahrterfolge folgende Parteilosung herausgegeben haben.

"Man muss die Einbildungskraft der Massen mit allen Mitteln entfesseln, man muss sie glauben machen, dass nichts in der UdSSR unmöglich ist, dass die Technik eines sozialistischen Staates alles zu überwinden erlaubt, selbst die Gesetze der Natur." (Quelle 4, S. 152)

Weitere Bilder des Sputnik 1 Satelliten