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Konstantin Eduardowitsch ZiolkowskiDie Erde ist die Wiege der Menschheit, der Mensch kann aber nicht ewig in der Wiege bleiben. (K.E.Ziolkowski) In der Maiausgabe des Jahres 1903 der Zeitschrift Nautschnoje Obosrenije (dt. Wissenschaftliche Rundschau) erschien ein Artikel mit dem Titel "Die Erforschung des Weltraums mit Rückstossgeräten". Im Artikel, der für die damalige Zeit recht utopisch war, konnte man lesen: "Zur Erforschung der Atmosphäre schlage ich ein Rückstossgerät vor, d.h. eine Art Rakete, aber eine grosse Rakete besonderer Bauart. Der Gedanke ist nicht mehr neu; diesbezügliche Berechnungen erbringen jedoch solch bemerkenswerte Ergebnisse, dass man darüber nicht hinweggehen kann, Diese meine Arbeit befasst sich bei weitem nicht mit allen Seiten der Angelegenheit und entscheidet durchaus nicht über ihre Realisierbarkeit von der praktischen Seite her. Aber in ferner Zukunft wird sich schon der Nebel lichten, und es werden sich dermassen verführerische und bedeutungsvolle Perspektiven abzeichnen, von denen heute schwerlich jemand träumt." (K.E.Ziolkowski / Quelle 5; S. 12-13). Der Autor war kein geringerer als K.E.Ziolkowski (1857-1935), ein Mathematiklehrer aus Kaluga, sowie der Vater der sowjetischen Raumfahrt.
Später (1911, 1912, 1914 und 1926) veröffentlichte Ziolkowski unter demselben Titel wertvolle Ergänzungen. Er beschrieb unter anderem Raumflüge, zeigte Pläne für die Besiedelung des Weltraums und der Nutzung der praktisch unerschöpflich vorhandenen Sonnenenergie auf. Er beschrieb ausserdem die Idee eines elektrischen Raketenantriebs, in dem die Ausströmungsprodukte geladene Teilchen sind. Er wies auch auf die Vorteile der Entwicklung eines Raketentriebwerks mit Kernenergie! hin. Daneben veröffentlichte er auch Lösungen für ein Flüssigtriebwerk mit Sauerstoff, Ozon und Stickstoff als Oxidatoren und Wasserstoff, Methan, Kohlenwasserstoffe, Benzol, Benzin und andere Flüssigstoffe als Brennstoffe. Beispielhaft für seine Überlegungen soll hier seine Vorstellung der Schwerelosigkeit vorgestellt werden. "Die Schwere hat nicht nur nachgelassen, sie ist spurlos verschwunden. Alle Gegenstände, die nicht in der Rakete befestigt sind, verlassen ihren Platz und schweben in der Luft. Auch wir selbst berühren den Boden nicht und nehmen eine beliebige Lage und Richtung ein: stehen auf dem Boden und auch auf der Decke und auf den Wänden, stehen senkrecht und schräg, schwimmen in der Mitte der Rakete wie Fische, aber ohne Kraftaufwand und ohne etwas zu rühren" (Quelle 4, S. 66) Man muss ohne Zweifel anerkennen, dass dies die Schwerelosigkeit sehr gut schildert. Diese Beschreibung entstand übrigens zwischen 1926 und 1929, einer Zeit also, in der man noch gar nicht so richtig wusste was sich ausserhalb der Erde befand.
Ziolkowski war, wie obenstehendes Beispiel zeigt, aber nicht nur ein Techniker, sondern auch ein Poet. Er selbst wähnte z. B. nicht die in der Tat bedeutenden Raketentheorien als seine wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis, sondern die Verbindung dieser mit der Philosophie. So behandelte er in seinen Werken auch das Verhältnis Mensch - Kosmos - Gott. Seine Überlegungen, der Zeit um 50-100 Jahre (z.T. sind sie sogar heute noch nicht in Erfüllung gegangen) voraus, veranlassten einige jugendliche Leser ( unter anderem einen gewissen S.P.Koroljow) zu einer intensiven Beschäftigung mit Ziolkowskis Vorschlägen. Seine theoretischen Forschungen wurden zum Fundament der sowjetischen (und westlichen) Raumfahrt. |
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